…aktiv Brutstätten zu zerstören und Vögel zu vergrämen oder umzubringen, um ihr singuläres Wirtschaftsinteresse durchzusetzen…

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Der Artikel spricht für sich. Wer bei der PLanung von neuen Windparks immer noch primär an die Natur und an das Wohl von Mensch und Tier glaubt, wird wieder mal enttäuscht 🙁

Foto: Naturschutzinitiative

VG Alzey-Land 06.07.2018

Nester zerstört, Vögel vertrieben – wurden für geplanten Windpark bei Bechtolsheim in der VG Alzey-Land Umweltdelikte begangen?

Von Steffen Nagel

VG ALZEY-LAND – Zerstören Menschen in der Verbandsgemeinde Nester geschützter Vogelarten, um geplante Windräder mit aller Macht durchzuboxen? Diesen Verdacht hegen zumindest Vertreter der Naturschutzinitiative (NI), die sich an diese Zeitung gewandt haben.

Konkret geht es um die Windkraft-Konzentrationszone K3 bei Bechtolsheim, die an das Naturschutzgebiet „An der Pommermühle“ grenzt. Im Flächennutzungsplan Windkraft der VG Alzey-Land soll das Gebiet als Sonderbaufläche für weitere Anlagen ausgewiesen werden. Da in dem Bereich mehrere geschützte Vogelarten heimisch sein könnten, hat die Verbandsgemeinde ein ornithologisches Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis noch nicht feststeht. Dies teilte Bürgermeister Steffen Unger auch den Mitgliedern des VG-Rats in der Sitzung vom 18. Juni mit. Dabei wurde in Aussicht gestellt, dass die Fläche K3 gegebenenfalls aus dem Flächennutzungsplan gestrichen werden könnte.

Laut dem NI-Landesvorsitzenden Harry Neumann häufen sich seit diesem Tag Indizien zu Serienstraftaten in diesem Gebiet. So hätten Mitglieder der Naturschutzinitiative etwa die Zerstörung eines Mäusebussard-Horstes dokumentiert, auch ein toter Jungvogel sei gefunden worden. Zudem sei es im Juni zu „Störungen an den Brutplätzen der Rot- und Schwarzmilane“ gekommen, zudem sei von anderer Stelle die Zerstörung eines Rohrweihen-Brutplatzes gemeldet worden. Aktuell beschäftigt sich das Umweltdezernat der Kriminalpolizei Worms mit den Vorfällen.

„Wir sind davon überzeugt, dass es sich hierbei nicht um eine Kette von zufälligen Ereignissen handelt“, erklärt NI-Naturschutzreferent Immo Vollmer. Ganz offenkundig fühlten sich einzelne Personen bemüßigt, aktiv Brutstätten zu zerstören und Vögel zu vergrämen oder umzubringen, um ihr singuläres Wirtschaftsinteresse durchzusetzen. Dabei seien Straftaten dieser Art sinnlos, erklärt Vollmer. „Alle Horste sind von uns oder von den erhebenden Büros an den Kreis und das Landesamt für Umwelt gemeldet und damit über drei Jahre als gesetzlich geschützte Niststätte anerkannt.“

Markus Winter, Sprecher der Wormser Polizei, bestätigt auf AZ-Nachfrage den Eingang mehrerer Anzeigen im Zeitraum zwischen dem 25. und 28. Juni. Für die Kriminalpolizei Worms seien Vorfälle dieser Art Neuland. „Bei Windparks in unserem Zuständigkeitsbereich in Rheinhessen und der Pfalz hat es so etwas bislang noch nie gegeben“, sagt Winter.

Polizei hat Spuren gefunden

Die Polizei geht davon aus, dass es für die zerstörten Nester und verschwundenen Vögel keine natürliche Ursache gibt, es seien in einem Fall Spuren gefunden worden, die ins Feld führten. „Das deutet darauf hin, dass jemand am Nest war.“ Die Beamten bitten daher um Zeugenhinweise unter der Telefonnummer 06241-85 20.

Zur geplanten Konzentrationszone K3 hatten während der Offenlage mehrere Institutionen, Vereine und Behörden wegen möglicher Konflikte mit dem Artenschutz Bedenken angemeldet, unter anderem auch die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Alzey-Worms. Sie forderte eine sachgerechte artenschutzrechtliche Prüfung, da bisherige Erkenntnisse als nicht ausreichend bewertet wurden.

Für die Naturschutzinitiative ist der Fall indes ganz klar: „Wir fordern den Verbandsgemeinderat auf, die Ausweisung der Fläche K3 aufzugeben, da sie offensichtlich auf Straftaten beruhen würde“, erklären Harry Neumann und Immo Vollmer.